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Prasinus 21.02.2018 19:32

Frage zu L046
 
Hallo zusammen,
ich hätte mal eine Frage, zu den zur Zeit angebotenen L 46 Wildfängen. Sind das wirklich WF oder stammen die Tiere, welche ja alle aus Kolumbien importiert werden, aus einer Zuchtstation aus diesem Land. Somit wären es ja gar keine WF, sondern „nur“ kolumbianische NZ. Oder?

Gruß, Rainer

Sandro 21.02.2018 23:41

Hallo Rainer, es gibt immer welche die mehr Geld für WF ausgeben möchten und dann ist es wenig verwunderlich das welche WF anbieten für viel Geld.
Der Witz ist ja, das man mit Nachzuchten einfacher Züchten kann als mit WF. Bei WF sind auch noch der aller größte Teil nur Männchen. Und wenn man NZ als WF für viel Geld kauft kann ein auch nicht mehr geholfen werden.
Von Prinzip her, kommen schon mal geschmuckelte WF herein, aber wohl eher nicht so viele wie verkauft werden.

Acanthicus 22.02.2018 00:11

Moin

Die aus Kolumbien exportierten H. zebra sind alle Wildfänge aus dem Rio Xingu und werden aus Brasilien raus geschmuggelt.

Lg Daniel

Almewels 22.02.2018 07:37

Moin
 
Ist denn eigentlich noch eine halbwegs stabile Population im Xingu vorzufinden? Weil der Staudamm ist doch mittlerweile in Betrieb und die Volta Grande führt somit doch erheblich weniger Wasser....
Gibt's da schon irgendwelche Erkenntnisse wie es dort aktuell aussieht?

Gruß
Alex

Acanthicus 22.02.2018 09:17

Moin Alex

Im Xingu gibt es fünf voneinander getrennte Populationen, zumindest örtlich betrachtet. Die, die ich kenne war bereits 2014 sehr stark beeinträchtigt und es gab ein extrem ungleiches Verhältnis von juvenilen Welsen zu Adulti, letztere waren fast nicht auffindbar. Ausgewachsene Exemplare sind einfacher zu fangen und bringen mehr auf dem Markt. Ob das auf die anderen Populationen übertragbar ist kann ich nicht sagen, gehe aber davon aus.

Schaut man sich die WF Importe und in Brasilien beschlagnahmte Sendungen an, sind das fast ausschließlich adulte Welse. In Kolumbien und Peru werden H. zebra für 50-75$ angeboten. Wieso es weiterhin so viele Leute gibt, die diesen Handel direkt unterstützen, indem sie überteuerte und geschmuggelte H. zebra kaufen, anstatt auf die in Massen vorhandenen Nachzuchten zurückzugreifen, keine Ahnung.

In dem Teil der weniger Wasser führenden Volta Grande selber, leben nur zwei der genannten Populationen, eine weitere bei Belo Monte flußabwärts und zwei oberhalb der Staumauer bei Pimental. Beeinträchtigt sind sie alle, aber von unterschiedlichen Einflüssen: Zu wenig Wasser (?), zu viel Wasser (?), und eine schicke Staumauer.

lg Daniel

Prasinus 22.02.2018 11:08

Hallo Daniel,
wie kannst Du sagen, dass das alles WF sind? Wie kann Du das belegen bzw. beweisen? Ich kann das irgendwie nicht ganz glauben, so mal für die Schmuggler drastische Strafen ausgesprochen werden, wenn sie erwischt werden. Außerdem wäre dann der Preis, meiner Meinung nach, relativ günstig, wenn man bedenkt, was die Schmuggler für ein Risiko eingehen. Oder?

Gruß, Rainer

Almewels 22.02.2018 12:02

Hey Daniel
 
Danke für die Info.:spz: Habe schon auf verschiedenen Wegen versucht darüber verlässliche Angaben zu finden, leider ohne Erfolg.

Das mit den Wildfängen verstehe ich bei eindeutig Identifizierbaren Arten wie H. Zebra allerdings auch nicht (bei anderen, wo es viele Hybride gibt, wie L260 zb ist es was anderes). Nachzuchten haben da sogar einige Vorteile....

Gruß
Alex

JoBro 22.02.2018 12:10

Hallo Rainer,

ein Schmuggler, der in einer Flasche 50 Zebra Welse über die Grenze bringt, hat bei 50*50$=2500$ in der Tasche. Das ist selbst für viele Menschen in Nordamerika genug Geld um Verbrechen zu begehen. In Südamerika, ist es für Menschen die Verzweifelt genug sind vermutlich ein sehr großer Anreiz. Wenn du denkst, dass es wahrscheinlicher ist, dass jemand 4 Jahre lang Zebras in Kolumbien großzieht, bis sie solche Größen erreicht haben, kannst du dich ja mal bemühen entsprechende Züchter dort zu kontaktieren um das zu belegen. Ich glaub das aber nicht.

Fischray 22.02.2018 19:53

Hi

Zitat:

Die aus Kolumbien exportierten H. zebra sind alle Wildfänge aus dem Rio Xingu und werden aus Brasilien raus geschmuggelt.
Das ist in der Tat so! Bei den importierten Welsen.

Aber ob alles, was als Wildfang angepriesen wird im Handel, in Wirklichkeit
Tiere aus Brasilien sind oder nur mit Aufschlag versehene Nachzuchten, wird dir keiner sagen.

Gruß Ralf

Prasinus 22.02.2018 19:57

Hallo Johannes,

ich glaube nicht, dass der Schmuggler 50 Dollar bekommt. Der bekommt einen verschwindend kleinen Teil. Die große Kohle machen die Exporteure.

Ebenso glaube ich nicht, dass die bei NZ, wenn es so ist, vier Jahre brauchen, dass sie so groß sind, wie sie angeboten werden (5-7 cm). So groß sind DNZ auch nach ca. 2-2,5 Jahren. Und die hätten ganz andere Bedingungen zur Zucht (so wie die Asiaten mit den Diskus). Ich meine, dass wenn es WF sind, auch mal alte, große Böcke mit 10 cm und schon verschwommener Zeichnung dabei sein müssten. Oder liege ich da falsch?

Ich will eigentlich nur damit sagen, dass es bis jetzt keinen Beweis gibt, dass das WF sind, so wie Daniel in seinem Post behauptet. Oder sehe ich das verkehrt?

Gruß, Rainer

Prasinus 22.02.2018 20:06

Hallo Ralf,

woher wisst ihr das so sicher, dass ihr das hier mit scheinbar 100 prozentiger Sicherheit schreibt? Wenn es so ist, dann müsst ihr mir das auch irgendwie beweisen können.

Gruß, Rainer

Acanthicus 22.02.2018 20:40

Moin Rainer

Ich spreche oben nur von WF, alle H. zebra die aus Südamerika kommen, egal aus welchem Land sind WF. Es gibt keine Händler, Fischer oder Züchter die sich mit der Vermehrung für den Export beschäftigen. Und selbst wenn es diese gäbe oder einmal geben sollte, dürften die Nachzuchten nach meinem momentanen Wissenstand nicht unbedingt auch aus Brasilien ausgeführt werden.

Der Schmuggel hat jahrelang gut funktioniert, bereits seit 2004 darf die Art eigentlich nicht mehr ausgeführt werden und trotzdem gab es nie einen Engpass an WF. Die Fischer bekommen natürlich keine 50$ für einen Wels, das sind Preise die Exporteure gegenüber ihren Kunden verlangen. Trotzdem ist der Anreiz noch groß genug, auch wenn ich nicht genau weiß wer bei dem Geschäft wie viel verdient. Die Fischer bringen die Welse nicht selber ins Ausland, sie fangen sie nur und bringen sie bei Altamira zu einer Sammelstation, wo sie dann übernommen und (erst mit dem Auto, dann meist mit dem Schiff) abtransportiert werden.

Ein Fischer in Altamira bekam 2014 für einen 10cm großen B. xanthellus umgerechnet 0,20€; für einen 30cm großen P. pirarara 2,00€; und für einen unerlaubterweise gefangenen H. zebra immerhin 6,00€.
Ich kenne die bisher verhängten Strafen nicht, in Fällen in denen die Schmuggler erwischt wurden. Das Risiko scheint sich aber weiterhin zu lohnen, denn es kommen ja nicht nur H. zebra, sondern auch LDA105 und massenhaft L 82 aus Brasilien raus. Abgesehen von vielen weiteren Arten, die regelmäßig, aber in kleineren Stückzahlen verschickt werden. Panzerwelse sind da gerade sehr im Trend, hier kann man es sich vielleicht noch zu Nutze machen, dass die Arten oft schwieriger zu identifizieren sind, insbesondere in der Streßfärbung.

H. zebra sind bei optimaler Aufzucht innerhalb eines halben Jahres auf 5cm, das wissen alle die bei den L-Wels-Tagen unserem Referenten Rajanta gut zugehört haben. Klar könnte man eine kommerzielle Zucht auch in Brasilien anstreben, ein Pilotprojekt läuft auch bereits erfolgreich, ist aber noch nicht im großen Stil umsetzbar. Und dann ist das Problem nicht aus der Welt, dass potentielle Nachzuchten unter Umständen nicht gehandelt werden dürfen.

Im Endeffekt kann ich die Nichtexistenz von kommerziellen Züchtern von H. zebra in Südamerika und den Export ihrer Nachzuchten nicht beweisen, aber Du könntest versuchen mir das Gegenteil zu belegen, denn das wäre immerhin möglich. Alles was ich schreibe beruht auf vielen, vielen Stunden die ich mich mit der Thematik beschäftigt habe.

viele Grüße
Daniel

Micha 23.02.2018 02:12

Hi Rainer, Nachzuchten sind in Südamerika eher Mangelwahre. Die Züchtereien sind in anderen Kontinenten zu finden. Bei L 46 sind die zwei größten in Indonesien und Hongkong zu finden beide mit über tausend Zuchttieren.
Zitat:

vier Jahre brauchen, dass sie so groß sind, wie sie angeboten werden (5-7 cm). So groß sind DNZ auch nach ca. 2-2,5 Jahren.
In Indonesien schaffen die es in einem Jahr auf die Größe von 7 cm. Aber die beiden beliefern nur den chinesischen Markt.
Zitat:

woher wisst ihr das so sicher, dass ihr das hier mit scheinbar 100 prozentiger Sicherheit schreibt?
Durch eine sehr gute Vernetzung mit Exporteuren, Importeuren, Großhändlern, Züchtereien, Züchtern Ichthyologen bis hin zur IBAMA. Das hier ist nun mal das L-Welseforum! Im Kampffischforum sind die Experten für Kampffische und hier für L-Welse. Aber 100% gibt es nicht, aber 99% ist ja auch was.

Prasinus 23.02.2018 05:08

Guten Morgen,

@ Daniel u. Micha

Danke für eure Antworten. Okay, nach diesen Posts von euch, muss ich es glauben, dass es sich doch um WF handelt. Und ich habe die Frage in diesem Forum gestellt, weil ich natürlich weiß, dass es hier die Experten gibt.

Danke, Rainer

Baron Ätzmolch 23.02.2018 09:06

Mahlzeit!

Mal ganz abgesehen davon, dass in Brasilien schon mehr als eine Deakade Fang, Haltung, Zucht, Handel, Export von H. zebra ohne behördliche Ausnahmegenehmigung verboten sind, scheint es sich immer noch nicht rumgesprochen zu haben, dass die Art seit Anfang letzten Jahres unter internationalem Schutz steht (Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) - CITES Anhang III).

Damit ist auch die EINFUHR aus Drittstaaten in die EU (DEUTSCHLAND) ohne gültige Papiere nicht erlaubt und stellt zumindest eine Ordnungswidrigkeit dar, Geldbuße bis 50000.- EUR möglich, evtl. sogar eine Straftat.

1). Wenn Zebras aus Brasilien importiert werden, ist eine Ausfuhrgenehmigung im Original vorzulegen. Diese wird es aus o.a. Gründen nicht geben.
2). Findet die Ausfuhr aus einem anderen Nicht-EU-Land statt, ist ein Ursprungszeugnis der zuständigen WA-Vollzugsbehörde vorzulegen.
3). Für die Einfuhr ist der Einfuhrzollstelle eine Einfuhrmeldung vorzulegen. Die kann meines Wissens aber nur erteilt werden, wenn gültige Ausfuhrdokumente vorliegen.

Und wenn ich mir dann so manche Händler-Anzeigen und Privat-/"Hobby"-Importeur Anzeigen hierzulande anschaue, die irgendwie prahlerisch, stolz und vollmundig frisch importierte Zebra-WF aus Südamerika anpreisen, frage ich mich, ob sie einfach nur unwissend sind oder dämlich.

Das braucht nur einer Person nicht zu passen, die es zur Anzeige bringt, dann ist zumindest ein Ordnungswidrigkeitsverfahren anhängig.

Wer das für ein Dutzend geschmuggelte Zebrawelse riskieren will, bitteschön...

--Michael

Prasinus 23.02.2018 20:00

Hallo Michael,

ein sehr, sehr, sehr guter Post. Endlich einer der mal die möglichen Folgen postet.

Gruß, Rainer


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